Bitcoin, erklärt als das, was es ist
Ein Geldschein gehört dem, der ihn in der Hand hält. Bitcoin überträgt genau diese Eigenschaft ins Internet: Wer den Schlüssel hat, hat das Geld. Niemand muss es für dich aufbewahren. Und niemand kann es dir nehmen, solange du den Schlüssel behältst.
Was Bargeld ausmacht
Geld auf dem Konto ist streng genommen kein Geld. Es ist ein Versprechen der Bank, dir Geld auszuzahlen. Das funktioniert meistens, aber die Bank kann das Konto sperren, die Überweisung zurückhalten oder selbst in Schwierigkeiten geraten. Bargeld hat dieses Problem nicht. Bitcoin auch nicht.
Kein Eintrag in einem fremden System, sondern ein Schlüssel, der nur bei dir liegt. Keine Freigabe durch Dritte nötig.
Eine Zahlung geht direkt von dir zum Empfänger. Dazwischen sitzt kein Unternehmen, das zustimmen, prüfen oder ablehnen könnte.
Wie ein übergebener Schein lässt sich eine bestätigte Bitcoin-Zahlung nicht zurückbuchen. Das schützt den Empfänger und verlangt Sorgfalt vom Sender.
Der Vergleich
| Eigenschaft | Bargeld | Bankkonto | Bitcoin auf einer Börse | Bitcoin in eigener Wallet |
|---|---|---|---|---|
| Nur du hast Zugriff | ja | nein | nein | ja |
| Kann eingefroren werden | nein | ja | ja | nein |
| Geht bei Pleite des Verwahrers verloren | nein | bis zur Einlagensicherung geschützt | ja, möglich | nein |
| Weltweit rund um die Uhr nutzbar | nein | eingeschränkt | solange die Börse läuft | ja |
| Passwort vergessen? Jemand hilft | nein | ja | ja | nein |
| Menge kann nachträglich erhöht werden | ja, durch die Zentralbank | ja | nein | nein |
Grün markiert, was dem Bargeld-Gedanken entspricht. Die Börse verhält sich wie eine Bank, nur ohne Einlagensicherung. Erst die eigene Wallet macht aus Bitcoin wieder Bargeld.
Das Ethos
Dieser Satz ist die Grundregel der Bitcoin-Welt. Wer seine Bitcoin bei einem Anbieter liegen lässt, besitzt keine Bitcoin, sondern ein Guthaben bei diesem Anbieter. Genau das Konstrukt, das Bitcoin überflüssig machen sollte.
Die Geschichte hat die Regel teuer bestätigt. Die Börse Mt. Gox verlor 2014 rund 850 000 Bitcoin ihrer Kunden. Die Börse FTX brach 2022 zusammen, nachdem sie Kundengelder für eigene Geschäfte benutzt hatte. In beiden Fällen hatten die Kunden ihr Geld jemand anderem anvertraut. Wer die Schlüssel selbst hielt, war nicht betroffen.
Bitcoin wurde so entworfen, dass niemand dazwischen sitzen muss. Die erste Zeile seines Gründungsdokuments sagt das wörtlich:
„Eine rein dezentrale Form von elektronischem Bargeld würde es erlauben, Online-Zahlungen direkt von einer Partei zur anderen zu senden, ohne über ein Finanzinstitut zu gehen.“
A purely peer-to-peer version of electronic cash would allow online payments to be sent directly from one party to another without going through a financial institution.
Satoshi Nakamoto, „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“, 31. Oktober 2008
Der Schlüssel
Eine Bitcoin-Wallet speichert keine Münzen. Sie speichert einen Schlüssel, aus dem alle deine Adressen und Unterschriften hervorgehen. Damit Menschen ihn aufschreiben können, wird er als Liste aus zwölf oder vierundzwanzig Wörtern dargestellt. Das Verfahren heißt BIP39 und nutzt eine feste Liste von 2048 Wörtern.
Diese Wörter sind das Geld. Wer sie kennt, kann über alles verfügen. Wer sie verliert, hat keinen Zugang mehr. Deshalb schreibt man sie auf Papier oder Metall und nie in eine Datei, eine Cloud oder ein Foto.
Eine echte Wallet zieht aus 2048 Wörtern mit echtem Zufall. Das ergibt mehr als 1038 mögliche Schlüssel. Raten ist aussichtslos.
Nur zur Anschauung. Diese Demo zieht aus 128 Wörtern im Browser und ist für echtes Geld unbrauchbar.
Selbst verwahren
Eigene Verwahrung klingt nach Technik, ist aber vor allem eine Gewohnheit. Fünf Schritte reichen, um vom Guthaben bei einem Anbieter zu echtem digitalem Bargeld zu kommen.
Entscheidend ist nicht die Marke, sondern dass die zwölf Wörter bei dir entstehen und bei dir bleiben. Für größere Beträge eignet sich ein Hardware-Gerät, das den Schlüssel nie an den Computer weitergibt.
Mit der Hand, in der richtigen Reihenfolge, zweimal. Kein Screenshot, keine Notiz-App, kein Passwortmanager. Die Zettel an zwei getrennten Orten aufbewahren.
Ein paar Euro von der Börse an die eigene Adresse schicken. Ankunft prüfen. Das baut Vertrauen auf, bevor es um mehr geht.
Wallet löschen, aus den zwölf Wörtern neu einrichten, Guthaben sehen. Erst wenn das klappt, ist das Backup bewiesen.
Jetzt den größeren Betrag von der Börse abziehen. Ab hier gibt es keinen Anbieter mehr, der pleitegehen, sperren oder gehackt werden kann.
Die Regeln
Bargeld hat einen Haken: Die Zentralbank kann beliebig mehr davon drucken. Bei Bitcoin steht die Gesamtmenge im Programmcode, und Zehntausende unabhängige Rechner prüfen jede Transaktion gegen diese Regel. Wer eine Regel ändern will, braucht die Zustimmung praktisch aller Teilnehmer.
Neue Bitcoin entstehen nur als Belohnung für gefundene Blöcke, etwa alle zehn Minuten. Diese Belohnung halbiert sich alle 210 000 Blöcke. Darum wächst die Menge immer langsamer und bleibt am Ende stehen.
Der Leitsatz dazu lautet „Don't trust, verify“: Vertraue nicht, prüfe nach. Wer einen eigenen Knoten betreibt, prüft die Regeln selbst, statt einer Website zu glauben.
| Halbierung | Block | Belohnung je Block |
|---|---|---|
| 03.01.2009 (Start) | 0 | 50 BTC |
| 28.11.2012 | 210 000 | 25 BTC |
| 09.07.2016 | 420 000 | 12,5 BTC |
| 11.05.2020 | 630 000 | 6,25 BTC |
| 20.04.2024 | 840 000 | 3,125 BTC |
| voraussichtlich 2028 | 1 050 000 | 1,5625 BTC |
Die letzte Halbierung endet rechnerisch um das Jahr 2140. Dann ist die Belohnung kleiner als ein Satoshi, der kleinsten Einheit.
Die Kehrseite
Wer Bargeld verliert, kann niemanden anrufen. Bei Bitcoin ist es genauso. Das ist kein Fehler im System, sondern der Preis dafür, dass niemand sonst Zugriff hat. Drei Dinge sollte man wissen, bevor man den Schlüssel selbst hält.
Verlorene Wörter bedeuten verlorenes Geld. Schätzungen zufolge sind so bereits Millionen Bitcoin dauerhaft unerreichbar.
Eine Zahlung an eine falsche Adresse ist weg. Deshalb Adressen immer vollständig prüfen und erst klein, dann groß überweisen.
Niemand kann dein Geld bei der Bank stehlen, aber jeder kann versuchen, dir die Wörter zu entlocken. Keine seriöse Software fragt je danach.
Kurz erklärt